
Herzlich Willkommen,
hier finden Sie Quellenangaben und Zusatzinformationen zu unseren Liedern und Impulsen.
Bitte beachten Sie, dass Themen, die für manche vielleicht schwer aushaltbar sind, wie zum Beispiel Gewalt und auch Krieg, nicht ausgeklammert werden können, wenn man über Frauen und ihre Geschichte spricht. Wir bemühen uns aber, dies möglichst knapp und sachlich zu halten. Zudem sind leider manche der verlinkten Studien nur auf englisch veröffentlicht. Selbst Studien aus Deutschland werden häufig auf englisch veröffentlicht. Das liegt daran, dass die Forschung auf der ganzen Welt vernetzt ist und sich auf einander bezieht. Um Ihnen die Sache zu erleichtern, werden die Links zu deutschen Inhalten blau eingefärbt, die englischen bleiben schwarz. Ganz am Ende finden Sie einige Links mit hauptsächlich redaktionellen Inhalten, die vollständig auf deutsch und in alltäglicher Sprache sind.
Dankeschön
Wir hatten wieder das beste Publikum, das man sich wünschen kann.
Ein gelungener Abend geht auch zu Ende, aber wir werden uns sicher noch lange an diesen erinnern. Vielen Dank an alle, die den 15.03.2026 zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.


Weiterhin möchte ich persönlich anmerken, dass hier leider nicht alles Wichtige abgedeckt werden kann. Und es wird sicherlich nicht jede Person mit allem etwas anfangen können. Vielleicht hat jemand auch eine andere Ansicht und das ist in Ordnung. Stellen Sie es sich vor wie in einem Musikgeschäft. Wenn Ihnen ein Genre oder eine Musikgruppe nicht gefällt, dann müssen Sie die Platte auch nicht kaufen. Die Gedanken, die hier angeregt werden, sind frei und Sie dürfen sich gerne diejenigen herauspicken, die Sie ansprechen und den Rest einfach liegen lassen. Da jedes Lied einen eigenen Aspekt des Themas „Frauen“ beschreibt, können Sie einfach bis zur nächsten blauen Überschrift springen und ab da weiterlesen.

Gerade jetzt, wenn weltweit wieder Rückschritte, auch bei der Gleichberechtigung, gemacht und einfache Lösungen für komplexe Probleme herangezogen werden
– was die Situation für die meisten (Frauen) auf lange Sicht aber eher schlechter als besser macht –
ist es wichtig, dass wir miteinander sprechen., dass wir uns austauschen und informieren und gemeinsam unsere Zukuft gestalten.
Moderation
Begrüßung
Guten Tag die Herren. – Nee, falsches Jahrtausend.
Guten Tag die Herren. – Immer noch falsches Jahrhundert,
Sehr geehrte Damen und Herren- was wenn Kinder anwesend sind?!
Sehr geehrte Zuhörer – das generische Maskulinum? Bei dem Thema?
Geschäztes Publikum, – …
Unsere Sprache ist in der Lage, Dinge oder Geschehen ganz präzise zu beschreiben. Das macht sie zwar sehr komplex aber auch eindeutig. Zudem ist sie wie jede Sprache dynamisch, sie passt sich den Gegebenheiten langsam an. Es gibt Worte deren Bedeutung sich verändert hat, Worte die neu erfunden oder zusammengebaut wurden. Wobei das so nicht ganz stimmt, es ist nicht unsere Sprache die irgendetwas ist oder tut, es sind wir, die Menschen die sie sprechen, die sie zu dem gemacht haben, was sie jetzt ist. Je nachdem wie wir die Werkzeuge der Sprache verwenden, wird sie sich weiter entwickeln und wir sie damit zu dem machen was sie dann sein wird. Mit Wörtern wie Bagger, Bundeskanzlerin, Boygroup oder Bodenanalysespektrometer konnte im Mittelalter in Deutschland sicher niemand etwas anfangen. Heute werden sie verwendet, ohne das man darüber nachdenken muss.
Hier in Deutschland, wie in großen Teilen Europas, war lange alles auf eine männlich geprägte Welt ausgelegt. Angeblich typisch männliche Verhaltensweisen wurden gefördert und vor allem Frauen an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Erst als Frauen dann wieder lauter, sichtbarer und letztlich auch für Arbeit einstellbar, wählbar und selbst bestimmt wurden, hat sich auch unser Sprachgebrauch irgendwann angepasst. Ein offensichtliches Beispiel sind Wörter wie: Lehrerinnen, Handwerkerinnen, Einbrecherinnen, Fußballspielerinnen. Wenn wir akkurat sprechen, sparen wir nicht nur Zeit und können sicher sein, dass wir richtig verstanden werden, wir können auch entscheiden, wen wir ansprechen oder über wen wir sprechen. Mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ sind Kinder und auch Jugendliche nicht unbedingt gemeint und es ist fraglich, ob sie sich angesprochen fühlen, obwohl sie selbstverständlich Veranstaltungen besuchen. „Sehr geehrte Zuhörer“ ist eine richtige Ansprache für eine Gruppe von Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht. Das generische Maskulinum, mit dem geschlechtsunabhängig die grammatsich männliche Form von Wörtern verwendet wird, wird schon lange benutzt. Im Zuge der Bemühungen gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung wird aber auch dieses inzwischen kritisch betrachtet. https://nachrichten.idw-online.de/2010/10/04/beidbenennungen-schaffen-sympathie-maskulina-distanz(Informationsdienst Wissenschaft, Pressemitteilug der University of Gothenburg, von Helena Aaberg, 04.10.2010, https://nachrichten.idw-online.de/2019/01/31/linguistik-meldet-sich-in-der-debatte-ueber-geschlechtergerechte-sprache-zu-wort(Informationsdienst Wissenschaft ,Pressemitteilung vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, von Dr. Annette Trabold, 16.12.2024)
Wie es mit dem generischen Maskulinum, der geschlechtsspezifischen und -neutralen Ansprache und den Anglizismen weitergeht, wird sich zeigen.
Bis dahin lesen Sie bitte kurz den folgenden Satz: „Die Fußballer des Dorfvereins feierten ihren verdienten Sieg mit Limonade und Leberkäswecken“.
Einleitung
Vor genau einer Woche war hier dieser schöne Bürgersaal Wahllokal für die Landtagswahl 2026 und zwar genau am 8. März, am Internationalen Frauentag.
(Deshalb sind wir eine Woche später dran)
Aus diesem Grund haben wir Frauen von aCHORd die Landtagswahl zum Anlass genommen, uns dem Weltfrauentag inhaltlich und musikalisch zu nähern.
Internationaler Weltfrauentag
Aus diesem Grund haben wir Frauen von aCHORd die Landtagswahl zum Anlass genommen, uns dem Weltfrauentag inhaltlich und musikalisch zu nähern
Was hat dieser nun eigentlich mit der Landtagswahl zu tun? Der Internationale Frauentag gilt als Wegbereiter für das Wahlrecht für Frauen. Somit besteht tatsächlich ein Zusammenhang zur Landtagswahl.
Um dies zu verstehen muss man das Frauenwahlrecht geschichtlich einordnen.
Seit langer Zeit kämpfen Frauen um Gleichberechtigung. Der Weltfrauentag hat in seinem Ursprung mehrere „Mütter“. Die Frauenorganisation der Sozialistischen Partei Amerikas rief 1908 dazu auf, für das Frauenwahlrecht zu demonstrieren. Am 8. März 1908 demonstrierten Textilarbeiterinnen in New York für das Frauenwahlrecht. Sie forderten u.a. höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und mehr Arbeitsschutz.
In Deutschland setzten sich die Sozialdemokratinnen Clara Zetkin und Käte Duncker 1910 für die Idee eines Frauentags ein. Sie stellten dafür einen Antrag bei der INTERNATIONALEN Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen, der positiv aufgenommen wurde. Damit war der Internationale Frauentag offiziell ins Leben gerufen und findet in Deutschland seit 1911 statt. Er ist somit ein Meilenstein auf dem Weg zum Frauenwahlrecht. Er ist zu einem internationalen Tag für Frauenrechte geworden und wird seit dem Jahr 1922 am 08. März begangen.
Nachdem Deutschland den ersten Weltkrieg verloren hatte, wurde in der Novemberrevolution von 1918 die Monarchie abgelöst und der Weg für eine Republik bereitet. Am 30. November 1918 trat das neue Wahlgesetz mit dem Wahlrecht für Frauen in Kraft trat. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen in ganz Deutschland zum ersten Mal wählen und gewählt werden.
Männer erhielten das Wahlrecht bereits 1848, also 70 Jahre vor den Frauen mit einem anderen geschichtlichen Hintergrund.
Das Frauenwahlrecht war somit ein Meilenstein auf dem Weg zur Chancengleichheit
von Männern und Frauen.
(Kleine Anekdote)
Wir möchten heute neben Informationen Impulse und Akzente setzen und mit unseren Liedern und Poems unterschiedliche Gedanken, Rollen oder auch Geschichten transportieren. Wir beginnen mit dem Lied: „Diamonds are a Girls best Friend“:
Der erste Weltkrieg, für den Männer eingezogen wurden und starben, sorgte dafür, dass Frauen in die Arbeitswelt vorrückten, wo plötzlich Arbeitskräfte fehlten. Diese mussten also die Rolle der Männer übernehmen. Mit einigen Ausnahmen arbeiteten Frauen seit dem in Krisenzeiten überall und sonst in spezifisch „weiblichen“ Berufen oder der Landwirtschaft. Es gibt aber immer mehr Erkenntnis darüber, wie unsere Weltsicht auch den Blick von Forschenden in die fernere Vergangenheit beeinflusst hat. Gräber, in denen Beigaben gefunden wurden, die auf eine Machtstellung hinwiesen, wurden häufig automatisch Männern zugeordnet, jetzt stellt sich immer öfter heraus, das die gefundenen Skelette tatsächlich von Frauen stammen Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schildmaid_von_Birka (Wikipedia, freie Enzyklopädie). Frauen wurden gerne übersehen oder für bestimmte Dinge nicht in Betracht gezogen. Aber auch unter den Jägern in der Steinzeit gab es Frauen. Jägerinnen.
Quelle: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0309543 (Fachblatt „PLOS One“)
https://www.sciencedaily.com/releases/2023/11/231120171000.htm (Informationsseite über Veröffentlichungen und Studien zu verschiedenen Themen)
Diamonds are a Girls Best Friend
Marilyn Monroe verkörpert in dem Film: „Blondinen bevorzugt“ eine schöne junge Frau, die auf der Suche nach einem reichen Mann ist, der ihr Juwelen schenkt und ihr ein sorgloses Leben bietet.
„Blondinen bevorzugt“
Das ist ja voll oberflächlich, wenn Frauen nur aufs Geld gucken…
Andererseits, wenn Männer so wechselhaft und unzuverlässig waren war es wohl besser etwas handfestes zu haben. Und solange Frauen immer noch deutlich weniger verdienen als Männer werden manche wohl weiterhin die Vermögenswerte ihrer potenziellen Partner mit einberechnen müssen.
Originaltitel: „Gentlemen Prefer Blondes“
Regisseur: Howard Hawks
Erscheinungsjahr: 1953
„Diamonds are a Girls Best Friend„
Musik: Jule Styne
Satz: Allan Billingsley
Text: Leo Robin
Quelle: Reine Frauensache S. 169
Verlag: Edition Peters
ISBN: 9790014119515
2025 verdienten Frauen im Schnitt 16% weniger als ihre männlichen Kollegen. Bei gleicher Qualifikation und Eignung waren es immerhin nur noch 6% https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Verdienste-GenderPayGap/_inhalt.html (Statistisches Bundesamt). Dies summiert sich jedoch im Laufe des Lebens und lässt weiterhin Frauen finanziell schlechter dastehen als Männer. Zu beachten sind jedoch die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland https://www.zdfheute.de/wirtschaft/gender-pay-gap-deutschland-lohnluecke-100.html (Zweites Deutsches Fernsehen, öffentlich rechtliche Rundunksanstalt, „Gender Pay Gap: Warum ist die Lohnlücke im Osten kleiner?“ vom 16.12.2025, Lisa Brockschmidt). Am Ende ihres Lebens haben vor allem Frauen mit Kindern, die sich alleine um die Erziehung gekümmert haben, einen sehr großen Nachteil, da ihre Rente deutlich geringer ausfällt und sie schwieriger Rücklagen bilden können https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/04/PD24_N016_12_63.html (Statistisches Bundesamt). Auch das Ehegattensplitting benachteiligt weiterhin vor allem Frauen. Wer auf die Idee, kam Berufe einem Geschlecht zuzuordnen und jene Berufe, die eher von Frauen ausgeübt wurden, schlechter zu bezahlen ist leider nicht bekannt, aber unsere Vorurteile darüber, was eine Frau kann oder können sollte, sorgen dafür, dass Mädchen und junge Frauen viele Berufe häufig gar nicht für sich in Betracht ziehen, obwohl sie vielleicht Interesse und eine Eignung dafür hätten https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/soziales/gleiche-chancen-fuer-frauen-und-maenner/berufswahl-und-ausbildung (Ministerium für Soziales, Gesungheit und Integration Baden Würrtemberg) https://www.bmftr.bund.de/DE/Forschung/Wissenschaftssystem/GleichstellungUndVielfaltInDerWissenschaft/gleichstellungundvielfaltinderwissenschaft.html?templateQueryString=gender+bias (Bundesamt für Forschung, Technologie und Raumfahrt). Warum sollte ein Friseur weniger verdienen als ein Maler? Die Ausbildung dauert gleich lang, beide benötigen chemisches Fachwissen dass bei Falschanwendung zu Gesundheitsschäden führen kann, sowie Erfahrung und Übung. Es behaupten immer noch viele Menschen, dass Kochen eine typisch weibliche Tätigkeit ist. „Das können Frauen viel besser.“ hört man häufig. Was jedoch stutzig machen sollte ist, dass sobald man von alltäglichen Aufgaben in einen professionellen, wettbewerbsorientierten Bereich vordringt, es auch beim Kochen plötzlich Männer sind, die den größeren Anteil der Beschäftigten und Selbstständigen ausmachen. „Bei der diesjährigen Michelin-Verleihung wurde nur eine einzige Frau mit einem Stern ausgezeichnet. Von 341 Köchen sind gerade mal 14 weiblich.“ ein Zitat aus einem Artikel aus dem „Stern“ von Denise Snieguolė Wachter vom 18.07.2025 zum Thema Michelin Sterne Quelle: https://www.stern.de/denise-snieguol%C4%97-wachter-3006298.html (Magazin Stern). Irgendwann wurde uns eingeredet, dass Frauen unprofessionell und emotional sind und Stress nicht standhalten können. Dieser Glaube hält sich weiterhin hartnäckig, obwohl Frauen und auch Forschende immer wieder bewiesen haben, dass dies nicht allgemeingültig stimmen kann.
Bei Studien zur Verhaltensforschung sollte noch angemerkt werden, dass die ausgewählten Probanden häufig ähnliche Eigenschaften haben, und so Ergebnisse und Aussagen nur schwierig auf die Weltbevölkerung und andere Kulturen übertragen werden können. Diese häufige Probandengruppen werden WEIRD genannt, Western, Educated, Industrialized, Rich, Democratic. Sie kommen also aus einer westlich geprägten Gegend, sind gebildet, ihr Land ist industrialisiert, sie sind reich, bzw. leben in einem gewissen Standard (viele Probanden sind Studierende in Amerika, wo Studiengebühren erhoben werden) und die Gesellschaft ist demokratisch angelegt. Quelle: https://www.quarks.de/gesellschaft/wissenschaft/weird-luecken-der-wissenschaft-dimension-ralph/ (Quarks, Dimension Ralph, eine Sendung des Westdeutschen Rundfunks, „WEIRD: Lücken unserer Wissenschaft„,20.05.2025, Ralph Caspers und Johannes Polotzek), https://www.researchgate.net/publication/326769518_Explaining_gender_bias_in_ERC_grant_selection_-_Life_Sciences_case (ResearchGate, Netzwerk für Wissenschaftler und Forscher, „Explaining gender bias in ERC grant selection – Life Sciences case“ 09.2018, Peter Van den Besselaar, Helene Schiffbaenker, Ulf Sandström, Charlie Mom)
Gebet der Agathe
Das „Gebet der Agathe“ aus der Oper: Der Freischütz von Carl Maria von Weber zeigt dagegen ein anderes Frauenbild. Die Handlung der Oper spielt kurz nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges. Also im 17. Jhd., wo Frauen ihren Vätern und später ihren Ehemännern gehorchen mussten.
„Der Freischütz“
Agathe liebt Max und Max liebt Agathe. Beide sind einander versprochen. Der Jägerbursche Max muss aber zuerst noch eine Probe bestehen d.h. er muss mit einem Probeschuss vor der Jagdgesellschaft seine Treffsicherheit beweisen. Da er nur einen Schuss frei hat, lässt er sich auf finstere Mächte ein, um die Probe zu
bestehen.
Agathe kann dies nicht verhindern. Sie kann nicht eingreifen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Da fleht sie die himmlischen Mächte im Gebet um Beistand an.
Heute hätte Agathe die Möglichkeit, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ihren Eltern und der Jagdgesellschaft zu sagen, dass sie ihre Meinung zwar sehr schätzt, sie aber letztendlich kein Mitspracherecht haben, ob, wen und wann sie heiratet.
Sie wäre heute frei so zu leben wie sie möchte, nach ihren eigenen Überzeugungen, ihrem Glauben und ihren Werten, solange sie ihre Maßstäbe nicht auf andere überträgt.
Denn Recht ist kein Kuchen, der mit jedem Stück das verteilt wird weniger wird, sondern ein Horizont, der mit jedem Schritt weiter wird.
Originalschreibweise: „Der Freyschütze“
Autor: Carl Maria von Weber nach einem Libretto von Friedrich Kind
Uraufführung: 1821
„Gebet„
Musik und Text: Carl Maria von Weber
Arrangement: Alexander Lotz
In der Geschichte muss der Jäger Max nach altem Brauchtum vor der Schützengilde und seinem zukünftigen Schwiegervater seine Treffsicherheit unter Beweis stellen, um seine geliebte Agathe heiraten zu dürfen. Allein die Vorstellung, für eine Hochzeit seinen Arbeitgeber um Erlaubnis zu bitten, ist heute abwegig. Auch dass der Mann vorab die Erlaubnis des Vaters der zukünftigen Braut einholt, ist heutzutage keine gängige Praxis mehr. Einiges hat sich aber als Tradition vor allem bei kirchlichen Hochzeiten gehalten. Z.B. die Übergabe der Braut vom Vater zum Ehemann, das weiße Hochzeitskleid, dass die Unschuld der Braut darstellen soll und auch der Wurf des Brautstraußes erinnern an Zeiten, in denen Frauen vor allem schnell heirateten und Kinder bekamen, weil ihnen ansonsten kaum Möglichkeiten blieben (interessant anzumerken ist, dass auf der Alb und auch hier in Laichingen die Frauen früher in schwarz geheiratet haben. In ihrer traditionellen schwarzen Tracht, da diese häufig das einzige „festliche“ Kleidungsstück einer Frau war).
Unser deutsches Grundgesetz setzt sehr deutliche rechtliche Grundlagen auch für unser Miteinander. Die eigenen Persönlichkeitsrechte und die damit einher gehenden Pflichten anderen gegenüber sorgen im Idealfall dafür, dass jede Person so leben kann, wie sie möchte.
Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/BJNR000010949.html (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) Und die Möglichkeiten sind vielfältig: Unser Beruf, unsere Religion, unsere Interessen, unser Ehrenamt, unsere Partnerschaften und Freundschaften können wir alle frei wählen. Unsere äußerliche Erscheinung unterliegt kaum Vorschriften und auch wie höflich und zuvorkommend man ist, kann jede Person selbst entscheiden.
Ob wir nach altem Brauch, unserer Überzeugung oder aktuellen Trends leben, schreibt uns das Gesetz nicht vor und auch wir sollten anderen nicht diktieren, wie sie leben, lieben oder glauben sollen. In Diskussionen hört man häufig die Angst heraus, dass man selbst etwas verlieren könnte, wenn andere eben anders sein dürfen als man sich das vielleicht wünscht. Aber ein Blick allein in die Vergangenheit der der Frauenrechte zeigt, dass diese Sorge unbegründet ist.
Das Wahlrecht für Frauen hat Männern nicht geschadet, sie dürfen immer noch wählen. Aber zusätzlich wurden neue Sichtweisen eingebracht und Diskussionen auch außerhalb des Stammtisches und der Arbeit angeregt. Das ist für unsere Demokratie und damit jede Person in Deutschland langfristig ein Gewinn. Denn Demokratie lebt von Vielfalt und Diskussionen genauso wie davon, dass alle möglichst gut informiert sind. Seit Frauen ihre Kleidung selbstständig wählen dürfen und z.B. Miniröcke oder Hosen tragen ist die Welt nicht untergegangen. Niemand wurde deswegen gezwungen Kleidung zu tragen, die der eigenen Überzeugung widersprechen. Als Frauen selbstständig arbeiten durften, haben sie nicht Männern die Arbeitsplätze weggenommen, im Gegenteil, heute haben Frauen auf dem Arbeitsmarkt immer noch nicht die gleichen Chancen wie Männer Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_064_621.html?templateQueryString=gender (Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung „Gender Gap Arbeitsmarkt 2025“, 26.02.2026). Aber selbst wenn es mal soweit ist, verlieren dann nur diejenigen Männer in der Bewerbungsphase auf einen Stelle gegen eine Frau, die in diesem speziellen Fall schlechter geeignet sind und das ist doch nur fair. Freiheit für sich selbst und andere kann sicherlich zu Verunsicherung führen, aber das einzige was jemand dadurch verliert, sind Privilegien, die vielleicht niemandem zustehen sollten.
Seelenflüstern
Poem von Gabriele Arnold
Though Philomela Lost her Love
Blockflötensolo von Heike Steeb
Das Madrigal „Though Philmolena lost Her Love” aus dem 16. Jahrhundert bezieht sich auf eine Sage aus der griechischen Mythologie. In diesen waren Göttinnen nicht nur vertreten, sie waren stark und mutig und selbst reflektiert. Einige waren sogar Zeus überlegen und das ohne etwas von ihrer Weiblichkeit einzubüßen. Philomela war leider nicht stärker als ihr Angreifer, aber sie hat sich letztlich mit einer List befreit, Rache geübt und ihre Lebensfreude wieder gefunden.
„Though Philomela Lost her Love„
Außerhalb unseres aktuellen Weltbildes existieren viele Kulturen, in denen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern anders wahrgenommen wurden und werden und auch in Europa gab es schon Zeiten, in denen Frauen stark sein durften. Unsere Darstellung beinhaltet ein Blockflötensolo von Heike Steeb.
Musik und Text: Thomas Morley
Quelle: Sing&Swing S. 102
Verlag: Helbling
ISBN: 9783850613057
In der griechischen Mythologie gibt es viele verschiedene Sagen und teilweise viele verschiedene Übersetzungen und Auslegungen.
Der kurze Originaltext von Thomas Morley lautet: „Though Philomela lost her love, fresh note she warbleth yes again; He is a fool that lovers proove and leaves to sing to live in pain;“. Eine mögliche Übersetzung wäre: „Obwohl Philomela ihre Liebe verlor, singt sie wieder frisch „ja“; Er ist ein Trottel, der Liebende täuscht und geht um zu singen und in Schmerz zu leben;“ oder „Obwohl Philomela ihre Lebensfreude verlor, tiriliert sie jetzt wieder; er ist ein Trottel, was Liebende beweisen…“, bzw. eine Mischung aus diesen Möglichkeiten. Philomelas Geschichte ist aus unserer Sicht heute sehr dramatisch, ziemlich grausam und ein bisschen wirr. Man sollte alte Sagen nich tmit unseren heutigen Standardsmessen. Ganz kurz zusammengefasst wird sie von ihrem Schwager verschleppt und dauerhaft zum Schweigen gebracht. Sie schafft es ihrer Schwester, seiner Ehefrau, eine Nachricht zukommen zu lassen, woraufhin diese sie befreit und beide sich gemeinsam rächen. Um dem darauf folgenden Zorn des Angreifers zu entkommen, bitten die beiden Zeus, den Göttervater, um Hilfe, worauf hin er entweder nur die Schwestern oder alle drei in Vögel (Nachtigallen) verwandelt.
Eine mögliche Interpretation ist also, dass Philomelas Stimme über die Tyrannei triumphiert.
Unter den Göttinnen und auch den Sterblichen in den griechischen Sagen gibt es überraschend viele Frauen, die als Metapher gelesen, wunderbare Vorbilder sein können. Sie sind teilweise sehr vielschichtig und trotz ihrer eindeutigen Weiblichkeit, nicht nur körperlich stark, sondern auch willensstark dargestellt.
Allerdings waren Frauen in unserer menschlichen Welt im antiken Griechenland trotzdem eingeschränkt.
Weitere interessante Überlegungen sind Kulturen, in denen es funktionierende Machtstellungen von Frauen, in Familie, Religion oder dem Staat gibt oder gab, oder eine andere Rollenverteilungen bzw. Verständnis über Geschlechter. https://nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2017/10/wo-frauen-herrschen-intime-einblicke-in-eine-besondere-kultur/ („GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH“, „Wo Frauen herrschen: Intime Einblicke in eine besondere Kultur“ von Alexandra Genova, aktualisiert am 09.06.2025) https://www.n-tv.de/wissen/Frauenherrschaft-Das-ist-Unfug-article3974511.html (n-Tv Nachrichtenfernsehen „Frauenherrschaft? Das ist Unfug!“ ein Interview mit Heide Göttner-Abendroth, von Andrea Schorsch, vom 12.08.2011) https://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/geschlechtliche-vielfalt-trans/245179/geschlechterverhaeltnisse-und-die-un-moeglichkeit-geschlechtlicher-vielfalt/ (Bundeszentrale für politische Bildung, „Geschlechterverhältnisse und die (Un-)Möglichkeit geschlechtlicher Vielfalt“ von Sabine Hark und Hanna Meißner, vom 08.08.2018)
Das Lied des Waldes
Gelesen von Sabine Graser-Kühnle
Die österreichische Autorin und Historikerin Julia Kröhn erzählt in diesem unter Pseudonym verfassten Roman „Das Lied des Waldes“ die Geschichte zweier einzigartiger Frauen, über deren Mut, und wie sie Kraft aus der Natur des Waldes schöpfen.
„Das Lied des Waldes„
Zwei Frauen in vollkommen unterschiedlichen Zeiten: Denn, Veronika hat sich ein Leben in Frankfurt aufgebaut, Karriere gemacht, geheiratet, eine Tochter großgezogen. Nach dem Tod der Mutter kehrt sie zurück in das Elternhaus, ein Forsthaus bei Nürnberg. Die Rückkehr weckt die Erinnerung an ein Referat, wofür sie als Schülerin das Leben der einflussreichen Patrizier Handelsfamilie Stromer im mittelalterlichen Nürnberg recherchierte.
Und so taucht die zweite Protagonistin des Buches als Ich-Erzählerin, Anna Stromer, auf. Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1366 als sie 8 Jahre alt ist. Der Tod ihrer Mutter, das schwierige Verhältnis zu Vater und Stiefmutter, lässt sie verstummen. (Seite 23 unten) Anna erkundet den eigentlich verbotenen Wald, lernt Barbara kennen die im Wald lebt, und lernt den Wald zu lieben und möchte diesen schützen.
Veronika wiederum im Hier und Jetzt muss sich entscheiden, ob sie ihr Stück Wald wie ursprünglich geplant an einen Investor verkaufen will, oder den Aggressionen von Umweltschützern und Waldaktivisten sowie ihrem ureigenen Gefühl der Naturverbundenheit Rechnung tragen will. Dazu müsste sie ihr Leben aber komplett verändern.
Zitat ab Seite 336
In diesem Roman ist aufgrund der zeitlichen Ebenen und des historisch geprägten Kontextes interessant zu erkennen, wie Frauen sich Anfeindungen und Druck der Gesellschaft selbst unter unterschiedlichen gesellschaftlichen Herausforderungen entgegenstellen und aus diesem Kampf gestärkt in ihrem Ich hervorgehen.
Autorin: Julia Kröhn unter dem Pseudonym Klara Jahn
Erscheinungsdatum: 16.08.2023
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453427457 (Taschenbuch, andere Versionen verfügbar)
Zur Verfügung gestellt durch: Stadtbücherei Laichingen
Sah ein Knab´ ein Röslein steh´n
Unser nächstes Lied gehört zum allgemeinen musikalischen Volksgut und wird oft von Chören gesungen, nämlich „Sah ein Knab ein Röslein steh’n“.
„Sah ein Knab´ ein Röslein steh´n„
Es erzählt auf den ersten Blick idyllisch, wie ein Knabe auf der Heide ein wunderschönes Röslein entdeckt. Dabei handelt es sich um ein Gedicht von Goethe aus dem Jahr 1789 aus der Sturm- und Drang Epoche. Es erinnert an die Verbindung von Goethe zu Friederike Brion. Das Gedicht wird aber auch interpretiert als Gewalt gegen Frauen, die damals weit verbreitet und oft gesellschaftlich akzeptiert war. Es geht um die Unschuld, Autonomie und Ohnmacht des Rösleins. Auf der Seite des Knaben geht es um Macht, Verlangen, nicht erwiderte Liebe und Brechen des Widerstands. Das Röslein weiß, dass wenn es gebrochen wird, verliert es seine Lebensenergie. Es muss sich wehren.
Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt ist leider weltweit immer noch ein großes Thema.
Du hast aber noch eine andere Version in Bezug auf Goethe und dem Heideröslein gefunden.
Johann Wolfgang von
Goethe hat später noch zwei weitere Gedichte, mit dem Thema „Rosen“ geschrieben. In beiden ist der erste Impuls, diesmal des Lyrischen-Ichs, zwar auch das Röslein zu brechen, aber in “Gefunden“ wird es stattdessen verpflanzt und noch später „im Vorübergehen“ lässt es das Röslein unberührt stehen und geht einfach weiter. So kann man es natürlich auch machen.
Vielleicht wenn wir ab und zu innehalten und achtsam sind können wir die Welt ein Stück friedvoller zu gestalten.
Musik: Heinrich Werner
Arrangement: Peter Hammersteen
Text: Johann Wolfgang von Goethe
Quelle: Sing&Swing S. 102
Verlag: Helbling
ISBN: 9783850613057
Heideröschen
(1770/1 Sturm und Drang)
1.Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell es nah zu sehn,
Sahs mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden. 2. Knabe sprach: ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: ich steche dich,
Dass du ewig denkst an mich,
Und ich wills nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden. 3. Und der wilde Knabe brach
’s Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Musst es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
von Johann Wolfgang von Goethe
Gefunden
(1810)
1. Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn. 2. Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön. 3. Ich wollt es brechen,
Da sagt‘ es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein? 4. Ich grubs mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ichs
Am hübschen Haus. 5. Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.
von Johann Wolfgang von Goethe
Im Vorübergehen
(1765-1832)
1. Ich ging im Felde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
2. Da stand ein Blümchen
Sogleich so nah,
Daß ich im Leben
Nichts lieber sah.
3. Ich wollt‘ es brechen,
Da sagt‘ es schleunig:
Ich habe Wurzeln,
Die sind gar heimlich.
4. Im tiefen Boden
Bin ich gegründet;
Drum sind die Blüthen
So schön geründet.
5. Ich kann nicht liebeln,
Ich kann nicht schranzen,
Mußt mich nicht brechen,
Mußt mich verpflanzen.
6. Ich ging im Walde
So vor mich hin;
Ich war so heiter,
Wollt‘ immer weiter.
Das war mein Sinn.
von Johann Wolfgang von Goethe
Frauen oder – wie in diesen Gedichten – junge Mädchen in der Rolle des Opfers, sind leider alltäglich und wir müssen nicht weit weg gehen, um sie zu sehen. Auch hier in Deutschland sind Gewalttaten gegen Frauen häufiger als wir denken. Quellen: https://www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2025/Presse2025/251121_PM_BLB_HG_StraftatengegenFrauen2024.html?nn=27906 (Bundeskriminalamt), https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2025/11/StraftatengegenFrauen2024.html (Bundesinnenministerium), https://unwomen.de/gewalt-gegen-frauen-in-deutschland/ (UN Woman). Für Frauen die Hilfe benötigen gibt es verschiedene Möglichkeiten diese zu bekommen: telefonisch und anonym, von der Polizei oder in Frauenhäusern. https://www.hilfetelefon.de/ (Hilfetelefon, Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben) https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/soziales/gegen-gewalt-an-frauen/hilfe-und-unterstuetzung (Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration, Baden-Württemberg). Ein großes Problem ist allerdings, dass sich viele Betroffene nicht trauen, einen solchen Schritt zu gehen. Das kann verschiedenste Gründe haben, Scham spielt aber oft eine Rolle. Indem wir Opfer von Gewalt entstigmatisieren und Hilfe sichtbar machen, können wir dazu beitragen, dass es einigen vielleicht leichter fällt, die Unterstützung zu suchen, die sie benötigen. Wenn wir ganz grundsätzlich Vorurteile und Benachteiligungen ansprechen, können wir es vielleicht schaffen, dass Frauen und Mädchen nicht mehr als minderwertig angesehen werden. Es gibt sicherlich viele Punkte, an denen man ansetzen könnte. Auch unsere Politik engagiert sich, denn eine Demokratie ohne Chancengleichheit macht wenig Sinn. https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/soziales/gleiche-chancen-fuer-frauen-und-maenner/gleichstellungsstrategie (Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration, Baden-Württemberg). Dies lässt sich tatsächlich auf jede Form von Benachteiligung, Diskriminierung und Machtausübung übertragen, egal woran die unterschiedliche Behandlung festgemacht wird.
Frauen werden häufig unterschätzt und sind auch von „positiver“ Diskriminierung betroffen, indem sie z.B. übervorteilt werden oder ihr Fehlverhalten verharmlost oder verniedlicht wird. Geschlechtsspezifische Diskriminierung die von Frauen gegen andere Frauen oder auch Männer gerichtet ist, ist keine Seltenheit und auch Frauen können gewalttätig sein. Besonders, wenn Männer betroffen sind, wird der Sachverhalt häufig kleingeredet. Für männliche Opfer gibt es ebenso Hilfsangebote, egal von wem die Gewalt ausgegangen ist https://www.maennerhilfetelefon.de/ (Hilfetelefon Gewalt an Männern, Nordrhein-Westfalen wird in Baden-Württemberg unterstützt).
Abschied
Bei unserem nächsten Lied „Abschied“ geht es um die Teilhabe an Bildung, die weltweit noch vielen Mädchen verwehrt bleibt. Es geht auch um Respekt vor der Leistung von Frauen sowie um Achtung ihrer Persönlichkeit, ihrer Würde und ihres Lebens.
„Abschied„
Fanny Hensel die Komponistin dieses Stückes bekam die gleiche musikalische Ausbildung wie ihr Bruder Felix Mendelssohn-Bartholdy, den sie sicher kennen. Während seine Werke aber zu seinen Lebzeiten einer breiten Masse zugänglich gemacht und gefeiert wurden, kannte man ihre Leistungen kaum außerhalb der Familie. Bis heute gibt es Stücke bei denen man nicht weiß von welchem der Geschwister sie geschrieben wurden, weil Fanny ihr Werke manchmal unter Felix Namen veröffentlicht hat oder ihm diese nachträglich zugeschrieben wurden.
Ich frage mich, wie viele Frauen allein zu ihrer Zeit um 1800 bahnbrechende Ideen hatten, von denen wir niemals erfahren werden. Wie viele Vorbilder sind für Mädchen verloren gegangen, weil Männer die Leistung von Frauen zugesprochen wurde? Stellen Sie sich vor, wie viele Gebäude, Gemälde, Musikstücke und Geschichten uns entgangen sind und wie viel Fortschritt in der Technik und der Medizin auf der Strecke geblieben ist, nur weil die Hälfte der Bevölkerung über hunderte Jahre von Bildung ferngehalten und übersehen wurde.
Musik: Fanny Hensel
Text: Heinrich Heine
Quelle: Sing&Swing S. 102
Verlag: Helbling
ISBN: 9783850613057
Entgegen der Wünsche ihrer Eltern veröffentlichte Fanny Hensel (geborene Mendelssohn getaufte Bartholdy) 1846 ein Liederheft, den Opus 1 und später weitere. Informationen über sie gibt es inzwischen überall im Internet, z.B. kann man auf der Seite der Staatsbibliothek Berlin teilweise Briefe von ihr oder an sie lesen. Die Geschichtsbücher sind gefüllt mit Frauen, denen man erst spät oder sogar weit nach ihren Lebenszeiten die Anerkennung zuteil werden ließ, die ihre männlichen Mitmenschen ganz selbstverständlich genossen. Auch Frauen, ohne deren Unterstützung, Ideen oder Wissen die, männlichen Vorbilder, Vordenker und Vorreiter vergangener Zeit, ihre Ziele nicht erreicht hätten, finden sich zahlreich. Frauen haben immer wieder gezeigt, dass die Argumente zur Unterdrückung ihres Intellekts, ihres Könnens und ihrer Kreativität regelmäßig völlig haltlos waren. Wenn Männer fehlten und Frauen Aufgaben übernehmen mussten, von denen vorher behauptet wurde, sie wären nicht in der Lage dazu, haben sie gezeigt, dass sie es eben doch konnten. Was wir wahrscheinlich niemals erfahren werden, sind die Gedanken der Frauen, die man als Hexen beschuldigt hat, die wegen Hysterie behandelt wurden oder diejenigen die keine Chance bekommen haben etwas Neues zu entdecken oder etwas Altes weiter zu entwickeln. Einfach weil sie Frauen waren. Auch jetzt gibt es noch Gegenden auf der Welt, in denen Mädchen keinen oder nur einen deutlich eingeschränkten Zugang zu Bildung bekommen, auch diese können ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Und überall, auch hier bei uns, gibt es Frauen und Mädchen, die gegen ihre Fähigkeiten und eigenen Interessen von ihrem Umfeld in Rollen gedrängt werden, in denen sie nicht glücklich sind. Wenn wir unseren Mädchen die gleiche Chance auf ein gesundes Selbstvertrauen und Neugierde schenken, wie Jungs, anstatt ihnen zu sagen, Mädchen seien nun Mal schlechter in Mathe https://www.nature.com/articles/s41586-025-09126-4#Sec13 (Nature vom Springer-Verlag, „Rapid emergence of a maths gender gap in first grade“ 11.06.2025, P. Martinot, B. Colnet, T. Breda, J. Sultan, L. Touitou, P. Huguet, E. Spelke, G. Dehaene-Lambertz, P. Bressoux & S. Dehaene) oder sie sollen sich bitte nicht dreckig machen, dann verlieren wir sicher nichts, gewinnen aber vielleicht ein paar Forscherinnen oder Philosophinnen oder Entdeckerinnen oder Marthematikerinnen und Physikerinnen. https://www.edu.sot.tum.de/psyll/forschung/projekte/forschungssynthesen-am-zib/unsere-forschungssynthesen/geschlechterunterschiede-im-bildungskontext/ (Technische Universität München, „Forschungssynthese Geschlechterunterschiede im Bildungskontext“)
Eine Frau, der wir es besonders zu verdanken haben, dass Frauen in der Wissenschaft wiederentdeckt wurden ist Margaret W. Rossiter https://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_W._Rossiter (Wikipedia freie Enzyklopädie), die leider 2025 verstorben ist. Von ihr stammt der Begriff „Matilda-Effekt“ der das im Bezug auf wissenschaftliche Arbeiten beschreibt, was auch Fanny Hensel mit ihren Kompositionen geschehen ist. https://www.lfrbw.de/2025/07/matilda-effekt-pionierinnen-der-forschung/ (Landesfrauenrat Baden Württemberg „MATILDA EFFEKT – Pionierinnen der Forschung“, vom 15. Juli 2025)
Die Melodie der Bienen
Gelesen von Sabine Graser-Kühnle
in ihrem Debütroman erzählt die freie, US-amerikanische Journalistin Eileen Garvin, selbst leidenschaftliche Imkerin, vor allem eine bewegende Geschichte über die Rettung der Bienen vor Pestizideinsätzen.
„Die Melodie der Bienen„
Die Bienenwesen eines Bienenvolkes summen in verschiedenen Tonarten, und ein Mensch mit dem absoluten Gehör kann den glockenähnlichen Ton der Königin heraushören – ein Gis.
Die Protagonistin Alice ist Mitte 40, Verwaltungsangestellte und in Trauer um ihren vor einem Jahr verstorbenen Mann. Sie betreibt mit viel Leidenschaft eine Bienenzucht mit über 20 Völkern. Ein Beinaheunfall mit dem 18 jährigen Jake, der nach einer Rückenverletzung auf einen Rollstuhl angewiesen ist, führt die zwei zusammen. Sie erkennt Jakes problematische Situation im Elternhaus und bietet ihm eine Arbeitsstelle auf ihrer Bienenfarm.
Auch dem neu zugereisten, 24 jährigen sehr schüchternen Harry, bietet sie einen Job, und so kümmern sich die drei zusammen um die Bienenzucht. Jake verfügt über die besondere Fähigkeit des absoluten Gehörs und empfängt so über das Gis die Botschaft der Bienen: die Bienenvölker sind in Gefahr.
Die Erzählung eröffnet den Lesenden, dass der gemeinsam ausgefochtene Kampf gegen Pestizideinsätze die drei Protagonisten verbindet, und wie das gemeinsame Lachen, sowie Verständnis und Respekt ihr Beisammensein prägen. Jake und Harry gewinnen Selbstvertrauen durch das neue Wissen, das ihnen Alice vermittelt. Alice findet so ihren Weg um Trauer, Verzweiflung und Niedergeschlagenheit hinter sich zu lassen, und neue Hoffnung und Zuversicht zu finden.
Aus Sicht unseres heutigen Themas heraus lesen wir aber vor allem, dass Frauen, die Angriffen der Gesellschaft ausgesetzt sind, sich sehr gut zur Wehr setzen können. Erst recht, wenn sie bereit sind, Neues anzunehmen, wie hier bei Alice, die lernen musste zu vertrauen und Hilfe anzunehmen und so auch zu sich selbst findet.
Originaltitel: „The Music of Bees“
Autorin: Eileen Garvin
Übersetzung: Anja Mehrmann
Erscheinungsdatum: 02.04.2026
Verlag: Piper-Verlag
ISBN: 9783492320870 (Taschenbuch, andere Versionen verfügbar)
Zur Verfügung gestellt durch: Stadtbücherei Laichingen
Dreaming
I´m Dreaming of a better World.Zitat aus dem Lied „Dreaming“ von Lorenz Maierhofer (auch Musik), aus dem Chorbuch „Sing&Swing“ ISBN: 9783850613057, Seite 146, Helbling Verlag, Herausgeber: Lorenz Maierhofer, Erscheinungsjahr 2006
„Dreaming„
Unsere beiden letzten Lieder beschäftigen sich mit positiven Ausblicken und Stärke.
Was würden Sie tun, wenn wir alle die gleichen Chancen hätten?
Unsere Vorstellungskraft ist ein starkes Werkzeug und der Anfang für jede Veränderung.
Musik und Text: Lorenz Maierhofer
Quelle: Sing&Swing S.102
Verlag: Helbling
102 ISBN: 9783850613057
Wenn wir gar nicht wissen wo wir hinwollen, warum sollten wir dann überhaupt losgehen? Woher wissen wir ob die Richtung die wir eingeschlagen haben wirklich zielführend ist? Je konkreter wir unsere Wünsche und Visionen für uns formulieren, desto einfacher ist es sie im Blick zu behalten. Wenn wir unsere Ziele zu unserem Fixstern machen, der hoch über uns und unverrückbar an seinem Platz bleibt, dann finden wir sie wieder, auch wenn wir uns einmal verirrt haben. Frauen sind in Deutschland gleichberechtigt, aber die Gleichstellung hinkt hinterher. Die rechtlichen Voraussetzungen sind gegeben, aber die Umsetzung gestalten sich schwieriger als gedacht. Die Kernprobleme sieht man gerade jetzt in der Debatte um die Wehrpflicht, Frauen in der Bundeswehr allgemein und auch die Olympischen Spiele, beziehungsweise der Geschlechterdebatten im Sport im allgemeinen.
Kuhflecken
Poem von Gabriele Arnold
Gabrielas Sång
Bei unserem letzten Lied „Gabrielas Sång“ aus dem wunderbaren schwedischen Film „Wie im Himmel“ geht es um mitmenschliche Beziehungen, um Gemeinschaft und Solidarität, um das Zuhören und vor allem um Musik und was diese für die Menschen bedeutet.
„Wie im Himmel“
Gabriella ist nicht die Heldin des Films, aber ihre Geschichte hat viele Menschen berührt. Sie steckt in einer unglücklichen Ehe mit einem gewalttätigen Ehemann fest, schafft es aber mit der Unterstützung ihrer Freunde und mit der Kraft der Musik in ein selbst bestimmtes Leben für sich und ihre Kinder. Ihr Lied über ihre gefundene Stärke und ihre ersehnte Freiheit kann unsere eigenen Wünsche entfesseln, uns inspirieren und Kraft und Hoffnung schenken.
Originaltitel: „Så som i himmelen“
Regieseur: Kay Pollak
Erscheinungsjahr:2004
„Gabrielas Sång„
Musik: Stefan Nielsson
Satz: Lars Wellenas
Text: Py Bäckmann
Quelle: Reine Frauensache S. 194
Verlag: Edition Peters
ISBN: 9790014119515
Frauen organisieren sich schon lange um sich aus ihrer Benachteiligung zu befreien, und wir leben jetzt in einer Gesellschaft, die vor hundert Jahren undenkbar gewesen wäre. Ungerechtigkeit und Gewalt gegenüber Frauen gibt es aber immer noch, genauso wie Stereotype und falsche Annahmen, von Männern wie Frauen. Deshalb brauchen wir Heldinnen, Freundinnen, Unterstützerinnen, nicht nur Frauen, damit sichtbar wird, was wir tatsächlich können und irgendwann wirklich alle in einer gleichberechtigten Welt leben. Diskriminierung und Sexismus im Speziellen hat viele Gesichter, das reicht von Femiziden bis hin zu Äusserungen wie: „Wie gut, dass wir Sie bei dieser Besprechung dabeihaben. Frauen sorgen für eine entspanntere Atmosphäre.“ Was einerseits impliziert, dass Frauen die Verantwortung für die Stimmung in einem Raum übernehmen und andererseits, dass Männer untereinander nicht in der Lage sind, sich angemessen zu verhalten. Was beides sicherlich nicht für alle und in jeder Situation gilt.
Büchertisch
Vielen herzlichen Dank an die Stadtbücherei Laichingen, die diese Bücher für uns zur Verfügung gestellt hat.
Alle Titel können Sie dort ausleihen.

von links oben
„Am Meer ist es schön“
Autorin: Barbara Leciejewski
Erscheinungsdatum: 30.05.2025
Verlag: List Paul Verlag
ISBN: 9783471360880 (gebundenene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„Nobodys Girl„
Autorin: Virginia Roberts Giuffre
Übersetzung: Melanie Schirdewahn, Petra Pyka, Brigitte Rüssmann, Max Limper
Erscheinungsdatum: 22.10.2025
Verlag: Münchner Verlagsgruppe
ISBN: 9783969051672 (gebundenene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„Die Formel der Hoffnung„
Autorin: Lynn Cullen
Originaltitel: „The Woman with the Cure“
Übersetzung: Maria Poets
Erscheinungsdatum: 26.02.2025
Verlag: Fischer Taschenbuchverlag
ISBN: 9783596708833 (Taschenbuch, andere Versionen verfügbar)
„Das Licht hinter all den Schatten„
Autorin: Ledicia Costas
Originaltitel: „Golpes de luz“
Übersetzung: Anja Rüdiger
Erscheinungsdatum:29.08.2024
Verlag: Thiele Verlag
ISBN: 9783851795363 (gebundene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„Der Ruf der Kalahari„
Autorin: Delia Owens, Mark Owens Originaltitel: „The Cry of the Kalahari“
Übersetzung: Elisabeth Liebl
Erscheinungsdatum: 17.10.2024
Verlag: Gutkind Verlag
ISBN: 9783989410244 (gebundene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„Ja, nein, vielleicht„
Autorin: Doris Knecht
Erscheinungsdatum: 22.07.2025
Verlag: Hanser Berlin
ISBN: 9783446282889 (gebundene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„Eine Frage der Chemie„
Autorin: Bonnie Garmus Originaltitel: „Lessons in Chemistry“
Übersetzung: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Erscheinungsdatum: 31.03.2022
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 9783492071093 (gebundene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„Die Rose von Franken„
Autor: Gunter Haug
Erscheinungsdatum: 01.09.2007
Verlag: Rotabene, Schneider Druck
ISBN: 9783927374539 (gebundene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„Alt genug„
Autorin: Ildikó von Kürthy
Erscheinungsdatum: 26.02.2026
Verlag: Ullstein
ISBN: 9783550204128 (gebundene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„Little Germany – Der Duft der Neuen Welt„
Reihe: Die Bäckerinnen von Manhattan, 1
Autorin: Maria Nikolai
Erscheinungsdatum: 01.05.2025
Verlag: Penguin Verlag
ISBN: 9783328111764 (Taschenbuch, andere Versionen verfügbar)
nach rechts unten
„Little Germany – Der Geschmack von Freiheit„
Reihe: Die Bäckerinnen von Manhattan, 2
Autorin: Maria Nikolai
Erscheinungsdatum: 24.09.2025
Verlag: Penguin Verlag
ISBN: 9783328111771 (Taschenbuch, andere Versionen verfügbar)
„Eine liebe Frau„
Autorin: Laetitia Lenel Originaltitel: „Lessons in Chemistry“
Übersetzung: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Erscheinungsdatum: 27.06.2024
Verlag: Gutkind Verlag
ISBN: 9783989410145 (gebundene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„Mein Name ist Emilia del Valle“
Originaltitel: „Mi nombre es Emilia del Valle“
Autorin: Isabel Allende Übersetzung: Svenja Becker
Erscheinungsdatum: 05.08.2025
Verlag: Suhrkamp Verlag
ISBN: 9783518432204 (gebundenene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„Aufgeben können die anderen“ Reihe: Sternstunden der Frauen, 1
Autorin: Lena Johannson Übersetzung: Svenja Becker
Erscheinungsdatum: 13.10.2025
Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783746641362 (Taschenbuch, andere Versionen verfügbar)
„Als Großmutter im Regen tanzte“
Originaltitel: „Mormor danset i regnet“
Autorin: Trude Teige Übersetzung: Günther Frauenlob
Erscheinungsdatum: 30.10.2024
Verlag: Fischer Taschenbuch
ISBN: 9783596706976 (Taschenbuch, andere Versionen verfügbar)
„Die Spielerin“
Autorin: Isabelle Lehn
Erscheinungsdatum: 14.08.2024
Verlag: Fischer S.
ISBN: 9783103972023 (gebundene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
„was bei uns bleibt„ Autorin: Didi Drobna
Erscheinungsdatum: 01.09.2021
Verlag: Piper E-Book
ISBN: 9783492999250 (E-Book, andere Versionen verfügbar)
„Judith und Hamnet“
Originaltitel: „Hamnet“
Autorin: Maggie O’Farrell Übersetzung: Anne-Kristin Mittag
Erscheinungsdatum: 28.10.2021
Verlag: Piper Taschenbuch
ISBN: 9783492318556 (Taschenbuch, andere Versionen verfügbar)
„Judith und Hamnet“
Originaltitel: „Hamnet“
Autorin: Maggie O’Farrell Übersetzung: Anne-Kristin Mittag
Erscheinungsdatum: 28.10.2021
Verlag: Piper Taschenbuch
ISBN: 9783492318556 (Taschenbuch, andere Versionen verfügbar)
„Himmel ohne Ende“
Autorin: Julia Engelmann
Erscheinungsdatum: 23.07.2025
Verlag: Diogenes Verlag AG
ISBN: 9783257073232 (gebundene Ausgabe, andere Versionen verfügbar)
Weiterführende Ideen
Erinnern Sie sich noch an den Satz von vorhin? Die Fußballer?
Ich hatte etwas ganz bestimmtes im Kopf, als ich diesen Satz geschrieben habe. Die Laichinger Mädchenmannschaft, die tatsächlich in den frühen 2000er Jahren einen Heimsieg so gefeiert hat. Aber das kann ja keiner ahnen. Mit dem generischen Maskulinum wäre diese Beschreibung zwar korrekt, aber um Rückschlüsse auf das Geschlecht und Alter zu ziehen, benötigen wir mehr Kontext. Man kann sich fragen, warum das Geschlecht überhaupt wichtig ist, schließlich geht es hier um Kinder und ihr Hobby. Aber solange immer noch heiß diskutiert wird, ob Mädchen- und Frauenfußball überhaupt von irgendjemand angeschaut wird, weil die weiblichen Fußballer ja nicht so fest schießen, so schnell rennen, so strategisch begabt sind oder so schön melodramatisch eine spielunterbrechende Verletzung vortäuschen können wie die Männer, werden die meisten Deutschen und Deutschlernenden bei diesem Satz weiterhin zuerst an Männerfußball denken. Aber Frauen spielen Fußball und Mädchen auch und solange wir sie dabei nicht ebenso unterstützen wie ihre männlichen Kollegen und Kumpel, werden wir nie erfahren ob sie tatsächlich schlechter spielen. https://www.sportschau.de/fussball/frauen-em/frauen-im-fussball-werden-immer-noch-diskriminiert,uefafrauenem-kathrin-laengert-kritik-ungleichheit-frauenfussball-100.html (Sportschau, „Frauen im Fußball werden immer noch diskriminiert“ von Olaf Jansen vom 11.07.2025)
Dies ist leider ein häufiges und ein sehr deutliches Beispiel, wie Sprache, Vorurteile und Tradition zu struktureller Benachteiligung führen können.
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/178674/subtile-erscheinungsformen-von-sexismus/ (Bundeszentrale für Politische Bildung, „Subtile Erscheinungsformen von Sexismus“ vom 07.02.2014 von Julia C. Becker)
Denn selbst wenn wir das nicht wollen, unser Gehirn denkt in Kategorien und um diese zu ändern benötigt es viel Zeit und Energie. Aber wir können es ertappen, im übertragenen Sinne an die Hand nehmen und unserem Gehirn zeigen, dass es umlernen kann.
Weiterführende Ideen
Demokratie leben, indem auch Frauen gesehen werden und ihre Sicht einbringen.
Das Patriarchat als gesellschaftliche Struktur schadet nicht nur Frauen, auch Männer leiden, die Gesellschaft leidet. Die Rollenbilder für Frauen, die eine Grundlage für die Untersdrückung bilden, stehen neben Rollenbildern für Männer: Als Versorger, Kämpfer, Stratege. Während Frauen Intelligenz, Kraft, Weitsicht, Komplexität und sicherlich noch vieles mehr abgesprochen wird, wird Männern unter anderem Emotionalität, Reifeprozesse, Empathie und Teamfähigkeit aberkannt.
Nur gemeinsam (Männer und Frauen, oder einfach Menschen) kommen wir weiter.
Wer noch Kapazität für Informationen frei hat, findet hier weiteres zum Thema „Frauen“, „Männer“ und „Sexismus“ und wer nicht mehr lesen will findet auch ein paar Dokumentationen von Arte (Association Relative à la Télévision Européenne auf deutsch etwa: Zusammenschluss für europäisches Fernsehen, ein öffentlich rechtlicher Rundfunksender mit Sitz in Frankreich), die sich wirklich lohnen und die Impulse, die wir zu den Liedern gesetzt haben weiter vertiefen:
- „Bildung ist zur Überlebensfrage für die Demokratie geworden“ https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/reden-und-interviews/-bildung-ist-zur-ueberlebensfrage-fuer-die-demokratie-geworden–278266 (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, von Thomas Köhler, vom 14.12.2025)
- „Rights. Justice. Action. For ALL Women and Girls – Globale Kampagne zum Internationalen Frauentag“ Pressemitteilung von UN Women Deutschland e.V https://mailchi.mp/unwomen/pm-iwd2026?e=c59e869d91
- „Frauenrechte in Deutschland“ Übersichtsseite des Bundesarchivs https://www.bundesarchiv.de/frauenrechte-in-deutschland/
- Übersichtsseite TERRE DES FEMMES Menschenrechte für die Frau e.V. https://frauenrechte.de/
- „Wissen über Sexismus“ Informationsseite des Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ https://gemeinsam-gegen-sexismus.de/ueber-sexismus/wissen-ueber-sexismus/
- „Sexismus“ Bundeszentrale für politische Bildung/bpb (Hrsg.): einfach POLITIK: Lexikon. Autor/inn/en: D.Meyer, T.Schüller-Ruhl, R.Vock u.a./ Redaktion (verantw.): Wolfram Hilpert (bpb). Bonn: 2022. Lizenz: CC BY-SA 4.0 //
- „Hatten Männer immer schon die Hosen an? Stimmt es, dass …?“ von Arte, Sendung vom 27/08/2025, Verfügbar bis zum 26/08/2026 in der Arte-Mediathek
- „Waren Frauen niemals gleichberechtigt? Stimmt es, dass …?“ von Arte, Sendung vom 05/11/2025, Verfügbar bis zum 04/11/2026 in der Arte-Mediathek
- „Brauchen wir den Alpha-Mann? 42 – Die Antwort auf fast alles“ von Arte, Sendung vom 08/03/2026, Verfügbar bis zum 06/03/2029 in der Arte-Mediathek, TV-Ausstrahlung am Sonntag, 22. März um 06:05, Regie: Niklas Nau
- „Sahen schöne Menschen immer gleich aus? Stimmt es, dass …?“ von Arte, Sendung vom 03/09/2025, Verfügbar bis zum 02/09/2026 in der Arte-Mediathek
- „Brainwashed: Sexismus im Kino“ auf Arte, vom 10/03/2026, Verfügbar bis zum 03/04/2026 in der Arte-Mediathek, Regie: Nina Menkes aus dem Jahr 2022, eine ARD-Sendung
Vielen Dank, dass Sie sich für unsere Impulse interessieren. Die Ideen und Gedanken kamen aus allen möglichen Ecken. Zum Beispiel Singstunden, Gesprächen, Erlebnissen, der Vorbereitung der Moderation und Recherche. Es ist also einerseits ein Gemeinschaftsprojekt, andererseits und letztendlich eine sehr persönliche Zusammenfassung. Die Aufgabenstellung war quasi die Vereinigung verschiedenster Gegensätze, um allen gerecht zu werden. Etwas Interessantes zu erschaffen, ohne zu kontrovers zu werden. Missstände aufzuzeigen, ohne den Zeigefinger zu sehr zu heben. Impulse zu setzen, ohne zu drängen.
Über Frauen zu sprechen, war tatsächlich schwieriger als zuerst erwartet.
Denn über eine Gruppe von Menschen zu sprechen ohne auszugrenzen oder zu generalisieren (weder die Betreffende, noch eine andere Gruppe), fühlt sich ein wenig wie ein Hindernislauf an.
Deshalb möchte ich mich bei allen entschuldigen, die sich nicht gesehen oder falsch verstanden fühlen. Das ist nicht meine Absicht gewesen.
Michaela Fasolin
